“Du, Florian”, sagte ich zu meinem Freund Florian, der gedankenversunken an einer Tasse Tee nippte. “Ich hatte letzte Nacht so einen Traum. So einen wie die, in denen ich sonst immer Jopi Heesters gesehen habe.”
“Hmm”, murmelte Florian, ohne seinen Blick von seiner Teetasse zu nehmen.
“Aber dieses Mal war er nicht da. Dabei wollte ich ihm von meinem Grundschulmusiklehrer erzählen und ihm meine neuen Schuhe zeigen. Ich habe auf ihn gewartet, bis kurz bevor ich aufgewacht bin. Aber er ist einfach nicht erschienen. Und das, obwohl sein weißer Schal über dem Barhocker neben mir lag. Da war ich ein bisschen traurig.”
“Vielleicht hatte er etwas Besseres zu tun”, mutmaßte mein Freund Florian und schaute mir das erste Mal an diesem Abend in die Augen. “Ganz ehrlich, ich mag deine Schuhe, aber was hätte Jopi dazu sagen sollen? Er ist doch mittlerweile schon völlig blind. Außerdem: Deine neuen Schuhe quietschen, wenn die Sohlen nass sind.”
“Am Ende hat er wirklich noch einmal ganz von vorne angefangen. Irgendwo anders. Jedenfalls habe ich mir schließlich seinen weißen Schal genommen, mir angezogen und ‘Ich träume jede Nacht von Ihnen’ gesungen.”, sagte ich und bestellte mir auch eine Tasse Tee. “Und das Letzte, an das ich mich erinnern kann, bevor ich aufwachte, war ein heiseres Lachen. So wie damals, als Jopi darüber lachte, dass ich keine Schuhe anhatte.”
“Weißt du”, sagte Florian und leerte seinen Tee, “Wenn deine neuen Schuhe mal nicht quietschen, sind sie echt nicht übel.”
“Jopi hätte sich bestimmt darüber gefreut.”
“Ja, das hätte er.”
Tags: Jopi Heesters, Musiklehrer, Schal, Schuhe, Traum
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Ich traf kürzlich eine Dame,
sie hieß… Wie war gleich ihr Name?
(Sie tat mir heftig eine knallen,
worauf ihr Name mir entfallen.)
Sie mögen sich nun sicher fragen:
Was war der Dame Grund zum Schlagen?
Es war der Grund jedenfalls nicht
mein Blick auf Brust oder Gesicht.
Nein, ich hatte nichts verbrochen,
sie hatte mich angesprochen,
doch keinen Diamant
hat sie von mir verlangt.
Sie wollt’, dass ich ihr Sprudel kaufe,
danach mit ihr im Rudel saufe,
hierauf durch das Gesudel laufe
und mich mit ihrem Pudel raufe.
Exakt so (oder so ähnlich)
war ihr Wunsch. (Ich fand ihn dämlich.)
Ich hielt laut ihr vor - sehr offen -
sie sei doof oder besoffen.
Sie zeigte Zeichen von Entrüstung
und schlug sehr fest vor meine Brüstung.
Von dem Verhalten sehr geprellt
verließ ich darauf schnell das Feld.
Während ich im Anschluss grollte,
und mich fragte, was sie wollte,
wurde mir schlussendlich klar,
was der Wunsch der Dame war.
Nun, eigentlich wurd’ es das nicht,
doch fiel mir das nicht ins Gewicht:
Wildfremder Weiber Wunsch verkennen
werd’ ich nicht meinen Fehler nennen.
Drum werde ich jetzt Kaffee trinken,
dabei auf meiner Couch versinken
und jedweder Passantin winken -
mit zwei Fingern (denen, die stinken)!*
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*Damit sind natürlich meine beiden Mittelfinger gemeint, die nur noch symbolisch stinken, seit ich das Händewaschen für mich entdeckt habe.
Tags: Dame, Gesudel, Pudel, Rudel, Sprudel
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Es reiste einst ein Elefant
im Zug nach Polen – kurzerhand.
Er verschlang dort (kurz vor Danzig)
eine Erdnuss. (Sie war ranzig.)
Darauf machte viel Unbehagen
sich breit im Elefantenmagen,
ja, schlug sich durch bis ganz zum Ende -
Im Zug zitterten alle Wände!
Der Dickhäuter war gar nicht heiter
und suchte nach dem Zugbegleiter.
Es fand der Elefant Gehör
für sein – nun, Erdnuss-Ranz-Malheur.
“Hast du schlimm Elefantenarsch-Au*,
dann musst du fahr’n im Zug nach Warschau!”
Es wär’ dort in der Innenstadt
ein Arzt, der’s mit dem Inn’ren hatt’.
Dort wär ‘ne Praxis – ungelogen -
von Elefantenproktologen.
Der Reiseriese fuhr also
nach Warschau und ging dort aufs Klo.
Doch blieb ihm noch der Magenkrampf
von dem verdorb’nen Erdnussmampf,
worauf er zu dem Arzt sich wagte
und sein Dickhäuterleid klagte.
Der Mediziner machte Dumbo
‘ne Darmspülung Marke “Jumbo”
und legte dann noch auf den Tisch
‘ne Tüte Erdnüsse – ganz frisch.
So reiste dann – nun wieder heiter -
der Elefant durch Polen weiter.
So halt’ auch du nicht deinen Rüssel
mit Gier in jede Erdnussschüssel!
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*Bitte betonen Sie hier den “-arsch”, weil es zum einen die Metrik rettet und zum anderen der polnische Zugbegleiter nicht so gut Deutsch spricht, als dass er wüsste, dass er elefantöse Hinterteile in solch profaner Verbalisierung besser nicht in die Hand und schon gar nicht in den Mund nähme.
Tags: Danzig, Elefant, Erdnuss, ranzig, Warschau
3 mal Senf »
Es ist wahr, ich glänze hier mit gewohnter Abwesenheit, zumindest in den letzten Wochen. Allerdings hatte ich einen guten Grund, denn bei der eigenen Hochzeit mit Abwesenheit zu glänzen hätte ich doof gefunden. Und ich bin mir sicher, dass ich damit nicht alleine gewesen wäre. So ist denn dort alles gut gegangen, und ich hoffe auf und strebe nach Nachhaltigkeit.
Apropos: Auch schon vor meinen raketenwissenschaftlichen Partnerschaftsexperimenten habe ich mich für mehr Nachhaltigkeit und gegen geplante Obsoleszenz eingesetzt, und nicht nur ich, auch mein Raketenlabor tut etwas dagegen – und fantastischerweise auch gleich gegen die Eurokrise. Das erreicht es durch Verwendung von Raketenwissenschaftlermittagessenbezahlkartenaufladungsautomaten, an denen Konrad Zuse selbst angeblich noch mitgewirkt hat. Diese Maschinen kennen den Euro nämlich noch gar nicht und sind daher krisenfest, was auch unschwer an den Abnutzungsspuren zu erkennen ist. Die sind da, aber das Gerät funktioniert.

Scarface unter den Automaten: Wenn das mal keine Anregung ist, die alte “Bank deutscher Länder“-Sammlung aufzulösen.
Ich hingegen fokussiere mich bei meinem Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft auf raketenwissenschaftliche Haushaltsgeräte. So benutze ich schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert (mit der ein oder anderen Kurzhaarpause) den gleichen Fön. Einen supercompact 1200 von Braun, hergestellt in Irland. Mein Raketenwissenschaftlervater tauschte noch im letzten Jahrtausend das defekte Stromkabel aus, und ich reparierte unlängst mit Superduperschnellalleskleber gravitations-, grobmotorik- und badfliesenbedingte Kunststoffabsplitterungen am Lufteinlass.
Und er fönt wie am ersten Tag.

Irische Wertarbeit: Heiße Luft für Generationen!
Und was, liebe Lesende, ist euer Beitrag?
Tags: Braun supercompact 1200, D-Mark, Eurokrise, Geplante Obsoleszenz, Konrad Zuse, Volksverdummung
8 mal Senf »
Dieses hier ist ein Beispiel für einen Inspirationsfunken, der mir im Kopf herumschwirrt. Daraus könnte ich sicherlich noch mehr machen. Tue ich vielleicht auch. Aber als erstes Buch ist eigentlich eins mit Gedichten dran. Sei’s drum.
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Heute ist wohl nicht mein Tag, seufzte Angus Axebite in sich hinein. Erst der Zwischenfall mit der verrückten Priesterin am Morgen, und jetzt das. Nicht einmal mehr in Ruhe Pinkeln konnte er. Zwischen dem erwählten Gebüsch und seinem an die Satteltasche seines Pferdes gebundenen Schwert waren etwa dreieinhalb Schritte zu viel. Und dreieinhalb* Gestalten. Um ihn herum. Zweieinhalb davon mit Armbrüsten. Und der Dritte…
“Ihr habt Glück”, sagte der Zyklop und schlenderte an Angus vorbei, bis er hinter ihm stand. “Ich bin ein Mann von Prinzipien. Ich nehme nur von den Toten.”
Von denen gibt es reichlich in den letzten Wochen, dachte Angus, und der Wind strich ihm sanft über die Finger seiner erhobenen Hände. Und wenn ich dich wiedersehen sollte, gehörst du dazu. Das ist ein verdammtes Versprechen.
Der Zyklop war eigentlich kein Zyklop, sondern nur ein Streuner mit einer schwarzen Augenklappe aus Leder. Als er sich hinter Angus stellte, wurde klar, dass er – ganz in Harmonie mit dem Rest seiner Erscheinung - keinen gesteigerten Wert auf Mundhygiene zu legen schien.
“Ich bin einfallsreich darin, dafür zu sorgen, dass ich mich an meine Prinzipien halte”, flüsterte er Angus halblaut ins Ohr.
Dann spürte er den stechenden Schmerz einer rostigen Klinge, die sich zwischen seine Rippen bohrte. Angus fiel vorne über auf den steinigen Boden. Während die Welt um ihn schwärzer und unwirklicher wurde, spürte er die Wärme seines eigenen Blutes, das sich unter ihm sammelte. Angus fühlte seine Wut, als der Zyklop sich einfach nahm, was er bei sich hatte. Wasser. Proviant. Die letzten Kupfermünzen. Das seltsame magische Kristalldings, von dem er ahnte, dass es irgendwann noch einmal einen Sinn haben würde, und das er mangels Kenntnis seines wahren Namens einfach “verfluchtes Stück Zaubererschrott” getauft hatte.
“Was schleppst du denn mit dir herum, Glückspilz?”, schnarrte der Zyklop vor sich hin, während er sich seinen Beutel vollstopfte. Dann wandte er sich zum Gehen und verschwand mit den anderen zweieinhalb Gestalten im Zwielicht der heranbrechenden Nacht. “Wir sehen uns! Naja, vielleicht auch nicht”, rief er Angus mit einem zufriedenen Lächeln noch zu.
Rattendrachen hatten sich um Angus versammelt. Zwei tranken von seiner Blutpfütze am Boden, ein dritter biss ihn in die Nase. Verzieht euch, ihr verdammten Biester, dachte er, bevor ihn die Schwärze endgültig umgab.
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“Angus, Angus, Angus. Was soll ich bloß mit dir machen?” Die verrückte Priesterin schüttelte ihren Kopf, wobei ihre rabenschwarzen Locken einen eigenwilligen Tanz vollführten.
Angus öffnete seine Augen.
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*Bei der halben Gestalt handelte es sich um einen Zwerg namens Hapo. Hapo leitete sich her aus “halber Portion” und dem eher simplen Humor von Hapos Kumpanen. Hapo fand das eher nicht komisch, aber ihn fragte ja nie jemand. Das hatte schon bei seinen Eltern angefangen, die ihn eigentlich Rockhead getauft hatten. Wenigstens hatte er mittlerweile herausgefunden, dass ein Zwerg, der eine gespannte Armbrust in den Händen hält, stets eine gewisse respektvolle Aufmerksamkeit von seiner Umgebung erfuhr. Er hatte schon versucht, mit seinen Kumpanen darüber zu reden, bisher erfolglos. Hapo führte diese Erfolglosigkeit darauf zurück, dass sie auch Armbrüste besaßen und sich sein Aufmerksamkeitsvorteil so ausglich. Irgendwann würde er ihnen ihre blöden Armbrüste klauen, und dann wurden auch sie ihm zuhören. So viel war sicher.
Tags: Angus Axebite, Fragmente zukünftiger Meisterwerke, Rattendrachen, Zyklop
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